Montag, 11. April 2016

Ausblick von den Alpen auf San José - Monte de La Cruz


Eigentlich wollten wir zum Vulkan Barva fahren, aber da wir den Bus verpasst hatten entschieden wir uns für das privaten Nebelwaldreservat Monte de La Cruz, ein sehr beliebtest Ausflugsziel bei Costar-Ricanern. Beim warten auf den Bus kauften wir uns eine Granadilla, eine Frucht die man aufbricht und die echt lecker ist. Nur mega verrückt aussieht, die Kerne irgendwie wie eine Larve und die Schale fühlt sich an wie aus Styropor. Das auszuschlürfen braucht Überwindung! 


Die Fahrt mit dem Bus war richtig schön, vorbei an Wiesen und Zypressenwälder. Und besonders im Nationalpark erschien es, als wäre man in Brandenburg im Wald, nur das eben  Moss an den Zypressen klebte, durch das feuchtkalte Klima. Voll schön! Es gibt dann unten für Familien kleine Sitzecken und einen riesigen Spielplatz, der mega voll war. Wir gingen direkt zum Aussichtspunkt und wunderschön lag das ganze Central Valley vor uns. Unglaublich! Das Wetter war recht frisch und so lagen wir auf der Wiese und genossen im Pulli die Umgebung. Ein toller Tag! 




Eine Nacht im Wald - Reservat La Marta


Der Koordinator meiner Organisation hatte eine verrückte Idee, wir sollten campen gehen mitten im Wald. Los ging es mit Schlafsack und Zelt. Alle waren aufgeregt, wie es sein würde. Richtig mitten im Wald haben wir dann aber doch nicht geschlafen, sondern auf einem kleinen Campingplatz auf einer Lichtung. Nachdem wir die Zelte auf einer Steinplatte aufgebaut hatten, ging es los zu einer kleinen Wanderung zu einem tollen Aussichtspunkt. Der Pfad dorthin war sehr schön, insgesamt hat mir der Park sehr gefallen, bis jetzt mit am besten von allen Reservaten. Nach dem Wandern wurde es auch schon dunkel und da fiel uns erstmal auf wie dunkel ein Wald nachts ist, und wie schwierig das ist, wenn man kein elektrisches Licht hat. Und wie laut der Wald nachts ist, so viel lauter als am Tag. Wir hatten keine Isomatten, mussten also direkt auf dem Steinboden schlafen, was erstaunlicherweise nicht so unbequem wie gedacht war. Am nächsten Tag ging es dann im Fluss baden und wieder zurück nach Hause. Ein besonderes Erlebnis!




Schlitten fahren, aber nicht im Schnee - Leon, Nicaragua

Gebäude am Kirchplatz

Mit dem Bus ging es weiter zu unseren letzten Station, die Stadt Leon im Nordwesten Nicaraguas. Diese Stadt ist auch im Kolonialstil gebaut, aber sehr heruntergekommen und nicht so hübsch. Nur das Gebäude am Kirchplatz ist toll, erscheint wie ein verrückter Einfall eines Architekten. Insgesamt habe ich hier nämlich noch nicht ein gotisches Gebäude gesehen. 
Aber wir waren auch nicht für die Stadt hier, sondern für das Vulkano Boarding, was nur hier möglich ist. Mit einem Brett ging es den Cerro Negro rauf. Nach einer Stunde war man oben und der Ausblick beeindruckend. Man ging auf dem Grad, rechts ging es runter, links ging es runter. Der Wind blies sehr heftig und so gestaltete sich der Aufstieg zu einem Balancierakt mit dem Brett. Der Vulkan ist noch so aktiv, das der Guide innerhalb von Sekunden uns eine Ofenkartoffel machte zur Stärkung. Da oben fühlte man sich bisschen wie in der Sahara in einem Sandsturm. Den die kleinen Lavakiesel wurde schmerzhaft gegen einen geschleudert, es fühlte sich an wie eine Ganzkörperepilation. Es war wirklich sehr windig! Dann zogen wir die orangenen Overalls an und die Schutzbrille wurde aufgesetzt. Der Wind blähte einen auf und alle sahen aus wie verrückte Wissenschaftler. Ab ging es auf das Bord und runter den Vulkan. Das war echt Adrenalin pur, auch wenn ich mit 45km/h nicht zu den schnellsten gehörte, reichte mir das schon. (Unsere Schnellste fuhr 95km/h, der Weltrekord liegt bei 220 km/h, dies jedoch mit einem Fahrrad und nicht mit einem Schlitten). Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis und danach konnte man noch stundenlang Lavasteinchen aus seinem Haar herauspulen. Und dann war unsere Reise auch schon vorbei. Der Osten und Norden Nicaraguas war für uns gesperrt. Und von den Teilen, die offen für uns waren, hatten wir das Gefühl, alles gesehen zu haben, da wir sehr viel im Bus gereist sind. Und für das, was ich gesehen habe, kann ich sagen, dass Nicaragua ein schönes Land ist. Die Vulkane sind hier nicht wie in Costa Rica in Bergketten versteckt, sondern wie Pickel erheben sie sich aus dem weiten Flachland. Das ist schon beeindruckend! Sonst finde ich aber Costa Rica landschaftlich reizvoller. Nur mit Granada kann das hässliche San José nicht mithalten. Ein Besuch in Nicaragua lohnt sich also auf jeden Fall! 

Zwei Vulkane im Meer - Isla Ometepe, Nicaragua


Von Granada ging es mit einem sogenannten "Chicken"-Bus zum Fähranleger am Nicaraguasee. Überall sieht man diese alten, amerikanischen, gelben Schulbusse durch die Gegend fahren, sie sind das Hauptfortbewegungsmittel, sehr klapprig und rostig und sehr günstig. Schon alleine die Fahrt mit diesen Bussen ist ein pures Abenteuer. Denn sie sind so voll wie sonst was, man steht Backe and Backe mit den Mitreisenden und der Backpacker fährt auf dem Dach mit. Angekommen am Fähranleger erscheint der See wie ein riesiges Meer, kein Ende in Sicht. Nur ein Vulkan thront am Horizont. Ich hoffte sehr, dass das nicht der Vulkan war, den wir besteigen wollten, denn dieser sah sehr steil aus. Doch das war er, der Vulkan Concepción - 1610m Höhe und acht Stunden Marsch erwarteten uns. Die Insel besteht nur aus zwei Vulkanen und ist echt faszinierend. Die Hauptstraße ist gesäumt von bunten, schillernden Wipfeln und kleinen, einfachen Häusern. Hier ist touristisch auch einiges los, aber es geht noch. 
Morgens um fünf ging es dann los. Mit Proviant versorgt und noch nicht ganz munter fuhren wir zu dem Vulkan. Die ersten 1000m sind echt anstrengend, der Pfad führt steil hinauf mitten durch den Wald. Nach einer Weile gewöhnt sich sich jedoch an die Anstrengung und das Zeitgefühl verschwimmt. Dann plötzlich werden die Bäume immer kleiner und kleiner und irgendwann ist man selbst größer als sie. Der Nebel wabbert um einen herum und dann dreht man sich um, die Wolken verziehen sich und wunderschön liegt die Insel und das Meer vor einem. Dieser Moment ist so berauschend! 

Bei 1000m

Doch nach einer kleine Pause geht es weiter. Wegen dem Nebel konnte man den Gipfel nicht sehen, aber die Guides gingen voran. Von nun an bestand der Pfad aus Brocken vom porösen Lavagestein und der Anstieg wurde immer steiler und steiler, die Landschaft immer karger und karger. Irgendwann wandelten sich sie Brocken zu kleinen Steinchen und selbst gebückt wurde der steile Aufstieg immer schwieriger. Wir durften leider nur bis ca. 1550 m hochkraxeln, weil der Vulkan zu aktiv war. Dort oben war alles so nebelig, doch plötzlich klarte es wieder auf und - WOW! Einfach unbeschreiblich das Gefühl, dass man selbst so weit hochgelaufen ist. Dieses Gefühl macht alles wett und süchtig! Atemberaubend! 

Blick von fast ganz oben

Langsam ging es dann wieder runter und der Weg kam einem so viel länger vor als der Aufstieg. Müde und erschöpft fielen wir dann ins Bett und am nächsten Tag ging es mit Muskelkater weiter zur Stadt Leon. 

Eine wunderschöne Stadt - Granada, Nicaragua


Am Freitag früh ging es los mit dem Bus nach Nicaragua. Kaum auf der anderen Seite war ich sehr überrascht über die vielen Windkräfträder (natürlich immer noch sehr viel weniger als in Deutschland) und über den vielen Plasitkmüll, der überall herumlag. Sonst ist es dort hübsch, ähnelt sehr Guanacaste, nur das es noch trockener ist. Nicaragua ist angeblich das zweitärmste Land Mittelamerikas, und eigentlich merkt man das nicht so, nur bei den günstigen Preisen und den heruntergekommenen Häusern. Überall sind Bananenplantagen, eine Banane kostet umgerechnet ca. drei Cent! Bald ist hier Wahl, wobei sich die Frage stellt zwischen was die hier  wählen sollen. Denn komischer Weise sieht man nur Wahlplakate von einer Partei. Das demokratische Präsidialsystem mausert sich zur Zeit zu einer kommunistischen Diktatur.  
Granada ist eine wunderschöne Stadt im Kolonialstil. Voller Charme und Atmosphäre liegt sie am See von Nicaragua und ich habe mich sofort in sie verliebt! Denn obwohl sie sehr touristisch überlaufen ist, hat sie doch ihre Eigentümlichkeit bewahrt. Viele Häuser sind nicht renoviert, aber sehr bunt angemalt. Es gibt nicht einen McDonald's oder Starbucks (insgesamt ist auffällig, wie gering der US-Amerikanische Einfluss hier ist. Man hat oft das Gefühl in dem Lateinamerika zu sein, wie man es sich so vorstellt), es fahren nicht allzuviele Autos herum, die Menschen fahren eher zusammen auf dem Fahrrad. Die Frau sitzt dann häufig vorne auf der Stange und der Mann darf treten. Das Leben findet hier auf der Straße statt. Nachts (tagsüber flüchten alle vor der Hitze in die Häuser) sitzt jeder im Schaukelstuhl vor seiner offenen Haustür und quatscht mit den Nachbarn. Durch die so offenen Haustüren hat man immer interessante Einblicke in die Häuser, welche in der Regel einen wunderschönen Innenhof haben. Sonst gibt es hier mehrere schöne Kirchen, überall fahren Kutschen (für die Touristen) durch die Gegend und direkt hinter der Kathedrale beginnt eine Straße voller Restaurants. Man sitzt also draußen auf der Straße und genießt die warme Nachtluft und fühlt sich wie im Sommerurlaub in Italien oder Spanien. Einfach herrlich! 



Wir haben dann noch die Laguna del Apoyo angeschaut, die sauberste Lagune Nicaraguas. Die Umgebung ist sehr sehr trocken, aber das Wasser ist echt 
angenehm. 


Und ein Tag waren wir in Masaya, einer nahegelegenen Stadt mit zwei 
Märkten, dem lokalen und den touristischen. Die Stadt ist wirklich sehr dreckig, vor allem der lokalen Markt. Aber bei diesem Markt hat man so richtig das Gefühl auf einem Markt zu sein, ganz im Gegenteil zu dem Touristischen, der wirklich sehr touristisch ist und mich enttäuscht hat. Danach ging es noch zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf einem aktiven Vulkan. Unglaublich schöne Atmosphäre dort!